Telemedizinisches Facharztkonsil

Telemedizin ermöglicht eine Vernetzung von Ärzten und erleichtert und unterstützt so wesentlich die Patientenversorgung. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Gerade unter dem Aspekt des demografischen Wandels und der Stadt-Land-Disparitäten in der Versorgung, können telemedizinische Anwendungen zu einer flächendeckenden Versorgung beizutragen. Längst können Informationen und Daten digital zwischen Ärzten ausgetauscht werden. So können Befunde fach- und sektorenübergreifend ausgewertet werden. Der Arzt kann sich eine zweite Meinung bei einem Kollegen einholen. Er kann sich bei einem Spezialisten Hinweise für die Stellung einer Diagnose oder Empfehlungen für ein Behandlungsverfahren einholen. In Zeiten von Facharztmangel und demografischem Wandel kann so die Qualität der Versorgung erhalten bleiben, ohne auf einen Spezialisten verzichten zu müssen.

Zum 1. April 2017 sind die ersten telemedizinischen Leistungen in den EBM aufgenommen worden. Unter anderem wurden Telekonsile zwischen Fachärzten bei der Befundbeurteilung von Röntgen- und CT-Aufnahmen erstmals vergütet. Die Qualität der Beurteilung kann durch die digitale Übertragung wesentlich erhöht werden, ohne zusätzliche Untersuchungen vornehmen zu müssen. Dies zum Vorteil von Ärzten und Patienten.

Mittels Facharzt-Konsilen kann der behandelnde Arzt einen räumlich entfernten Kollegen zur Unterstützung in den Fall einbinden. Dabei werden Vitaldaten, Bilder des Patienten etc. vom behandelnden Arzt an den hinzuziehenden spezialfachärztlichen Kollegen gesendet. Der gibt anschließend Empfehlungen zur Stellung von Diagnose oder zur Entwicklung einer Therapie. Dies bedeutet eine schnellere Integration von spezialfachärztlichem Wissen in Diagnose und Therapie. Die Versorgung kann auf diese Weise erweitert werden und die Qualität sicherstellen, insbesondere im ländlichen Raum oder  wenn Versorgung nicht schnell genug verfügbar ist. Zugleich wird die Versorgung räumlich flexibel. Ein enormes Potenzial bietet das Facharzt-Konsil in der Versorgung, wenn nicht ausreichend Zeit für einen Termin bei Spezialisten vorhanden ist, oder eine hohe Bandbreite möglicher Indikationen besteht.

Weitere Anwendungen aber bleiben für den kollektivvertraglichen Bereich gesperrt. Selektivvertragliche Lösungen gibt es derzeit vor allem in der Kinder- und Jugendmedizin. Behandelnde Kinder- und Jugendfachärzte können mittels des Facharzt-Konsils spezialisierte Kollegen zur Diagnose und Behandlung hinzubitten, ihnen mit Einverständnis der Patienten Daten wie etwa Laborbefunde, Ultraschallaufnahmen, Fotos, Filme etc. übermitteln. Dem Facharztmangel, insbesondere unter Kinderrheumatologen und Kinderkardiologen, kann so mit Effizienz begegnet, Wartezeiten für Termine, Konsultationen und Befunde verkürzt werden ohne jedoch auf spezialfachärztliches Wissen verzichten zu müssen. Benötigt wird lediglich ein Internetanschluss.

Haben Sie Fragen zum Facharzt-Konsil oder möchten mitmachen und sich über weitere Voraussetzungen informieren, dann kontaktieren Sie uns gerne.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) möchte sich dem Themenfeld telemedizinischer Konsultationen widmen, um Patienten insbesondere mit chronischen und seltenen Erkrankungen zielgerichtet und schneller zu versorgen. Das „Facharzt-Konsil“ können hausärztlich tätige Mediziner nutzen, um ihre Patienten einem Facharzt vorzustellen und gemeinsam zu behandeln. Auch die Zusammenarbeit zwischen Fachärzten wird durch das neue telemedizinische Angebot intensiviert.

„Insbesondere für Patienten, die auf dem Land wohnen, eignet sich unser neues Facharzt-Konsil. Oftmals sind Fachärzte nicht überall zeit- und ortsnah verfügbar. Wir können ihnen eine Abklärung von unklaren Befunden innerhalb von 24 Stunden anbieten – sind aber auch in der Lage, z.B. die Therapie von chronisch kranken Patienten mit den Fachärzten in unserem Netzwerk abzustimmen. Die Patienten sparen sich mitunter lange Anfahrtswege oder Wartezeiten beim Spezialisten und können von ihrem vertrauten Arzt vor Ort weiter betreut werden“, betont Lars Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa.

Die geplanten Indikationen kommen aus dem Bereich der großen Volkskrankheiten, bei denen zusätzliche fachärztliche Expertise gefragt ist. „Die Algorithmen werden von Experten aus unserem Netzwerk bzw. aus allen Fachbereichen der SpiFa-Mitgliedsverbände zur Verbesserung der Patientenversorgung entwickelt und stehen dann allen teilnehmenden Ärzten zur Verfügung. Der Zugang zum Programm ist sehr niederschwellig – ein Internetzugang in der Praxis genügt“, so Lindemann.

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